Frieda Teil 4

Frieda verliess uns noch einzige zwei Male danach obwohl viel spaeter. Das naechste Mal arbeitete sie nicht mehr wie 10 Minuten zu Fuss (fuer unsere Fuesse notabene) von uns fuer eine Familie aber dies dauerte nicht lange. Sie kam wieder zu uns und unser Leben ging im alten Trab weiter. Wenn sie bei uns wohnte und ihre Fuesse schlimmer wurden blieb sie fast immer im Hause, sie ging nur ein einziges Mal mit unsern Eltern ins Kino. Wir Kinder waren in jenem Sinne verwoehnt dass wir nie und nimmer alleine sein mussten und in die Wohnung eingeschlossen wurden wie viele andere. An jenem Abend wurden wir streng unterwiesen niemals die Tuer aufzuschliessen wer da auch laeuten oder klopfen moege und wir wurden sehr frueh zu Bett gebracht mit der Hoffnung dass wir sofort einschlafen wuerden. Das war fuer meinen Begriff etwa so als wollte man probieren mich durch ein Nadeloehr zu ziehen. Nie konnte ich frueh schlafen, schon als Kind nicht. Besonders an diesem Abend gelang es nicht und weil ich nervoes war von dieser Aenderung und als Monika schon schlief stand ich wieder auf und lief ins Elternschlafzimmer und guckte in meiner Langeweile zum Fenster hinaus und genoss die sinkende Abendsonne.

Die Freiheit auf zu sein ohne Schelten genoss ich solange ich konnte. Ich wusste aber ganz genau was sehr bald auf mich los kommen wuerde und ich flog schon bald wieder ins Bett bevor mein Nachtprinz mich finden konnte. Dieser Prinz wartete jede Nacht auf mich und hoffte schon fuer Ewigkeiten mich ohne die Eltern hier endlich zu erwischen. Wir tanzten zusammen immer denselben Reigen, der Prinz der Dunkelheit und ich. Wie naeher er zu mir heran kam wie weiter weg wollte ich von ihm sein und seine Leidenschaft fuer mich liess mich die ganze Nacht sogar mit dem Kopf unter der schweren Federdecke schmachten bis ich bald keine Luft mehr bekam. Was habe ich nicht getan jede Nacht um die Decke so zurecht zu formen dass wenigstens die allerkleinste Oeffnung mir noch Luft bringen konnte und jedes Mal wann ich mich umdrehte was oft war musste ich dieses Theater wieder von vorne anfangen. Wie ich mein Schwesterchen beneidete um ihren Schlaf obwohl sie mich auch fast abendlich fragte ob ich auf ihre Ohren aufpassen wolle sodass eine Hexe sie nicht hole waehrend sie schlief. Ich versprach ihr jeden Abend ja, ich wolle gut aufpassen und dann schlief sie sofort selig ein waehrend ich noch viele Stunden wach war. Diese Nacht blieb ich wach bis Frieda und die Eltern wieder zu Hause waren.

In jenem Wohnhaus informierten uns eines Tages unsere kinderlosen Vermieter einen Stock unter uns dass sie Wohnungen tauschen moechten sodass sie uns Kinder nicht den ganzen Tag hoeren mussten hin und herlaufen- und rennen. Unsere Eltern wollten nichts davon wissen da sie ueberhaupt schon ein paar Jahre hier wohnten bevor die neuen Vermieter einzogen. Auch hatten wir mehr Sonne auf dem obern Balkon und deshalb auch in der Wohnung und ueberhaupt, aus Prinzip alleine wollten sie nicht umziehen. Dass dies dann Misstimmungen erziehlte war klar. Der Frieden der letzten Jahre war gescheitert und der Stress wann die uns dazu zwingen konnten war nicht laenger auszuhalten. Die Saison aber wo Leute meistens umziehen war laengst vorbei in jenem Jahr und unsere Eltern fanden keine Wohnung schnell genug welche billig genug war und mussten dann mit einer vornehmen welche sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Eine wunderschoene Wohnung, nigelnagelneu mit zwei Balkonen von wo wir vom einen die Traumsicht unseres schoenen Bergs geniessen konnten. Dieser Berg war es dass Vater sich fuegte diese Wohnung anzunehmen obwohl er wusste sie war viel zu teuer. Mutter aber schwelgte darin zu wissen dass sie es wieder geschafft hatte fuer unsere Familie eine ganz neue Wohnung zu beziehen. Sie hasste den Geruch alter Wohnungen, sie konnte nie vergessen wo sie aufwuchs.

In der neuen Wohnung wohnten wir nicht sehr lange da unser lieber Vater nach einem Jahr nach einer schweren aber kurzen Krankheit starb. In jenem Jahr erhielten wir noch ein Bruederchen welcher sich sein Leben lang nie mehr an Vater erinnern konnte. Der Schock und die Trauer ueber Vaters Tod ueberwaeltigte uns alle, auch Frieda. Die teure Wohnung konnte sich Mutter nicht alleine leisten und wir zogen wieder um. Eine aeltere Wohnung diesmal welche Frieda und Mutter nicht gefiel da sie immer kalte Fuesse hatten darin. Wir Kinder merkten sowas nicht, wir waren zu jung und energisch in unserm Spielen.

Als es uns finanziell wieder etwas besser ging da zogen wir nochmals um und wir Maedchen hatten in ganz kurzer Zeit vier verschiedene Schulen besucht. Ein paar Jahre in der neunen und modernen Wohnung hoerte Mutter vom Roten Kreuz welches vermisste Leute finden konnte und sie gab Friedas entfuehrtem, aeltesten Sohns Namen an. Es ging ein paar Monate bis wir Bericht hatten dass er mit seiner Frau und ihren fuenf Kindern in Morokko lebte. Wie wir staunten. Uns wurde die Adresse gegeben und Briefkontakt begann. Frieda war im siebten Himmel und ihr Sohn wollte uns besuchen kommen.

Es war an einem Winterabend im Januar in einem Schneesturm dass er uns von unserer Stadt anrief und frug ob sie uns noch heute Abend besuchen koennten. Er haette sich ein Auto gemietet und fand uns nach einer halben Stunde ohne Problem. Zur Tuer herein kamen reihenweise er und seine morokkanische Frau und deren Kinder welche so ungefaehr im Alter von je einem Jahr dazwischen lagen. Das kleinste war bloss sieben Monate alt und wir waren schockiert dass seine nackten Fuesschen aus der Decke guckten wo wir doch Winter hatten.
Frieda und Sohn umklammerten sich um nie wieder ausander zu gehen schien es. Er kannte kaum noch ein Wort Schweizerdeutsch und seine Frau nur Franzoesisch. Das gab ein glueckliches Kauderwelsch und wir Maedchen nahmen uns der kleinen Kindern an. Sie blieben eine Woche in unserer Stadt und wir sahen sie jeden Tag. Frieda war traurig beim Abschied aber ihr Sohn machte sie gluecklich indem er ihr erzaehlte dass er Morokko hinter sich lassen wollte und in der franzoesischen Schweiz leben wolle, also nicht mehr ganz so weit weg. Und so kam es und um etwa diese Zeit heiratete Mutter wieder und zwar einen Berneroberlaendler.

Drei Jahre danach wurde ihnen ein Geschaeft in Kanada angeboten welches von Schweizern gefuehrt wurde. Briefe flogen hie und her und nach sechs Monaten kamen wir an in einem kleinen Dorf in Ontario. Frieda nahmen wir mit obwohl ihr Sohn ihr sein Heim anbot in der franzoesischen Schweiz aber sie kannte die Sprache nicht und war viel zu alt sie noch zu lernen. Die Energie nach noch fuenf kleinen Kindern zu gucken fehlte ihr jetzt auch schon, hatte sich doch uns schon seit Babies aufgezogen. Wir waren nicht mal ein Jahr in Ontario dass Frieda den traurigen Bericht erhielt vom Tode ihres geliebten Sohns. Auch an Krebs gestorben wie unser Vater. Das war das letzte was wir von jener Familie hoerten, ob seine Frau in der Schweiz blieb konnten wir nicht rausfinden, der Kontakt war komplett abgeschnitten.

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