Frieda Teil 5

Das Geschaeft welche meine Mutter und Stiefvater gekauft hatten war ein kleiner Diner wie man sie hier nennt, sie sind zu klein um sie als Restaurant zu beschreiben. Das Haus war ein grosses, zweistoeckiges Haus mit fuenf Schlafzimmern im obern Stock. Im ersten Stock war das Haus getrennt zwischen dem Geschaeft und unserm  Wohnzimmer. Ein grosser Keller ergaenzte das Ganze. Das dazugehoerigen Land mass so ungefaehr was wir hier one acre nennen. Ob das nun das gleiche Mass ist wie einen deutschen Acker, keine Ahnung. Ein kleiner Fluss grad hinter unserm Garten entzueckte uns besonders da wir jeden Sommer in ihm schwammen oder sonst herumtummelten. Wir aeltesten Schwestern hatten genug Schulenglisch dass wir den Eltern eine grosse Hilfe waren fuer die ersten zwei Jahre bis sie sich dann daran gewoehnen konnten.

Die Kanadier welche ins Restaurant kamen waren freundlich und mochten unsere Familie gut. Auch lachten sie meine Eltern nie aus und waren zu hoeflich es zu tun obwohl die zwei taeglich einmaliges Kauderwelsch lieferten. Nur ein Beispiel als meine Mutter einem Kunden erzaehlte dass Mr. Card an jenem Morgen an einem Herzinfarkt gestorben sei welchen sie als “heart explosion” bezeichnete. Der Kunde welcher sich das ernst anhoerte haette einen Oskar verdient waehrend wir Schwestern uns kaum erholen konnten vor lachen. Unser Stiefvater war noch lustiger weil wenn er in einem Satz das englische Wort nicht grad fand er es ersetzte mit einem oder zwei in schweizerdeutsch und das hoerte sich dann etwa so an:

“Mir went shopping in the Nochmittag today.” Kein Kunde lachte je oder fragte ihn um Erklaerung.

Alle mochten Frieda und riefen ihr etwa mal was zu und sie freute sich daran. Besonders einen Stammgast namens Molly gefiel Frieda und sie und diese Frau sprachen zueinander in ihren eigenen Sprachen was wirklich lustig aussah aber sie schienen sich mit allerlei Haendezeichen zu verstehen.

Frieda hatte die Gewohnheit kleineren Muell wie Kleenex und anderes in leere Schachteln zu stopfen um es dann in den Muellraum zu befoerdern welcher hinten raus fuehrte. Dafuer musste sie durchs Restaurant gehen weil sie nicht nach draussen laufen konnte mit ihren armen Fuessen. So sah man sie oft mit einer Schachtel unter dem Arm geklemmt mitten im Mittagsrummel den Diner durchqueren und es nuetzte uns nichts ihr zu erklaeren was in schreiend blauer Farbe auf der Schachtel zu lesen war. Ob sie einen inneren Schelm in sich hatte oder die Aufmerksamkeit der essenden Gaeste gerne auf sich fuehlte wussten wir nie denn sie tat es immer wieder.

„Dummes Zeug“, brummte Frieda immer, „die Box ist ja sauber und leer, es ist ja nicht als truege ich Monatsbinden im Diner umher.“

Frieda machte an Haushalt was sie konnte in diesem grossen Haus. Sie ging aber nicht gerne die lange, steile Treppe runter in den ersten Stock denn sie konnte schon jahrelang nur rueckwaerts runter und wenn sie mal unten war blieb sie eine Weile, besonders wenn Gretli  ihr Babynickerchen machte. Frieda half auch Mutter das Gemuese ruesten fuer den Tagesbedarf welcher immer groesser wurde nachdem die Leute rausfanden dass Mutter die beste Kost aufstellte welche sie je gegessen. Hotdogs und Hamburges ja, diese auch aber jeweilige Gruppen von Strassenarbeitern kamen jeden Mittag fuer ein richtiges Mittagessen mit Fleisch und Kartoffelstock mit Sauce und frischem Gemuese dazu. Schweizerkost schmeckte ihnen voll gross und von ihnen war es dass die Eltern sich finanziell etwas erholen konnten. Die Dorfgenossen aber, nun die hatten nie viel Geld und eine Dosensuppe oder einen Sandwich oder so war genug fuer sie denn das Mittagessen hier ist nicht die Hauptmahlzeit. Die Teenagers aber sassen oft stundenlang an einem einzigen Coke schluerfend da und wenig Geld wurde in jenen Tagen gemacht. Doch Montage war immer sehr besetzt denn die Viehhaendler kamen mittags vom Viehgebaeude mit einem Heisshunger nach all dem Kaufen und Verkaufen ihrer Tiere.

Stiefvater baute den Diner huebsch auf und er konnte gesehen werden. Da war eine grosse Bar mit Barstuehlen und am Fenster waren zwei kleine Tische wo die aeltern Leute meistens sassen. Wir hatten auch eine Jukebox von welcher man fuer ein 25c Stueck einen Schlager anhoeren konnte und deshalb hatten wir am Abend so viele Teenagers welche sonst nirgends sein konnten in der Winterkaelte.

Als die Familie ihren ersten TV kaufte schlossen wir die Tueren des Diners frueher da es sich nicht lohnte ihn laenger offen zu behalten fuer diese Cokegaeste welche auch oft in kleinere Streitereien gerieten da groessere oder kleinere Romanzen anfingen zwischen diesen Halbstarken. So, wenn die kleineren Kinder im Bett waren klebten sich die Erwachsenen an den TV als waer er das Letzte in Unterhaltung.

An jenen Abenden fand Frieda im dunklen Diner einen geheimen Freund ganz fuer sich selbst. Dort warteten unter anderem Regale mit Cigaretten und Drinks wie auch Schokoladen zum Verkauf. Frieda geluestete eine solche Schokolade besonders welche Mutter sie gerne haben liess. Nun ging es Frieda aber wie mit den Brotenden vor Jahren und sie holte sich heimlich eine oder zwei dieser Suessigkeiten im Finstern wenn alle in der Stube sassen und fernsahen. Waehrend es die andern unten jeden Abend unwissend mit dem Fernsehen taten fuetterte Frieda oben in ihrem Zimmer quietschvergnuegt ihre Seele mit diesen suessen Bettmuempfeli.

Wir Schwestern heirateten hier, Monika einen Kanadier und ich einen Deutschen. Frieda war die Erste unserer Familie zu welcher ich hinlief mit meinem ersten Baby. Nach der zweistuendigen Fahrt von der Hauptstadt zum kleinen Dorf konnte ich nicht schnell genug die Treppe hochlaufen in Friedas Zimmer um ihr die winzige Sheila in ihre Arme zu legen. Ich wollte sie mit einem neuen Baby sehen, ein Baby mit welchem sie nie irgendwelche Arbeiten haben sollte. Sie hatte immerhin noch das zweijaehrige Gretli unter Aufsicht weil Mutter das Kleinkind nicht unter ihren Fuessen haben konnte in ihrem Geschaeft. Frieda huetete unser juengstes Schwesterchen in ihrem Zimmer bis das Kleine alt genug war dass es mit seinen Geschwistern auch ums Haus rum spielen durfte.

Gretli war um die fuenf Jahre alt als Frieda eines Tages mit einer Grippe im Bett blieb. Niemand hatte Frieda je krank gesehen, ausser ihren schlimmen Fuessen war sie immer kerngesund gewesen bei uns. Mit diesen Fuessen aber haperte es jetzt mehr wie je. Ihre Zehen gluehten oft zornig rot und machten ihr noch mehr zu schaffen wie sonst. Sie stand wieder auf aber wurde in den naechsten Tagen wieder krank und lag nun schon eine Woche im Bett als Mutter den Arzt anrief. Frieda musste nie zu einem Arzt hier welcher sie jetzt genau untersuchte. Er winkte meiner Mutter zu und machte ihr klar was mit Frieda los war. Er erklaerte Mutter dass der eine abgefallene Zehe und die neulichen schwarzen Flecken auf ihren Beinen von Gangrän herruehrten und dass sie sofort ins Spital musste. Frieda sei von weit fortgeschrittenem Zucker angegriffen und er saehe kaum noch eine Heilung dafuer.

Wie schockiert wir alle waren aber Frieda wurde nur gesagt sie muesse sofort ins Spital. Sie wehrte sich schrecklich in das City Spital eingeliefert zu werden wo sie doch die Sprache nicht verstand. Mutter musste eine ganz schnelle Entscheidung treffen. Sie rief ihre Schwester Agnes in der Schweiz an und es wurde ein Spital im Aargau gesucht. Mutter flog Frieda in dieses Spital konnte aber nicht lange bleiben, sie musste so bald wie moeglich wieder zurueck, sie hatte ein Geschaeft zu fuehren und konnte auf dessen Einkommen nicht verzichten.

Unsere Tante Agnes besuchte Frieda hie und da und liess uns wissen wie es ihr ging. Mutter rief von hier aus das Spital an und die Schwestern hatten nichts Gutes zu berichten. Sie weine viel sagten sie und schreie in ihrem Fieber oft

“Monika, Monika bitte bitte, komm und hilf mir doch…….”
Die Schwestern dachten sie rufe ihre Tochter aber wir wussten es besser. In ihrem Sterben wollte sie unserer Monika nahe sein, dieses nun erwachsene Kind welches in Friedas Leben jenen Lichtschimmer hervorgebracht hatte welcher Friedas Trauer ueber ihre eignen Kinder nach und nach etwas verwelken  liess.

So kurz wie Frieda mal ein eigenes Leben mit Kindern und Ehemann besass, sah ich sie nie ungluecklich. Vor Jahrzehnten musste sie angenommen haben dass sie nicht alleine durchkommen wuerde und wollte nur ein Heim und genug zu essen. Dafuer arbeitete sie den ganzen lieben Tag und schien ausser ihren Schmerzesleiden zufrieden. An den Abenden hatte sie jahrelang fuer uns Kinder gestrickt oder geflickt und ungezaehlte Kilos unserer Waesche meistens von Hand gewaschen. Unsere Familie aber, die war schon laengst ihre eigene geworden und ich kann mich nicht an ein einziges Mal erinnern dass wir sie nicht als eines unserer Familienmitglieder anerkannten.

In wenigen Wochen starb unser Frieda alleine, drei tausend Meilen fern von uns, ein aufgebrauchtes Muetterchen in einem fremden Spital und wurde in Eschenbach begraben.

Liebes Frieda,
Dein Sterben so weit weg von unserer Familie war nicht gerecht. Du nahmst immer alles geduldig hin, wer koennte nicht von solcher Groesse lernen?

Namaste Friedali, ich liebe Dich ohne Ende

Frieda Teil 4

Frieda verliess uns noch einzige zwei Male danach obwohl viel spaeter. Das naechste Mal arbeitete sie nicht mehr wie 10 Minuten zu Fuss (fuer unsere Fuesse notabene) von uns fuer eine Familie aber dies dauerte nicht lange. Sie kam wieder zu uns und unser Leben ging im alten Trab weiter. Wenn sie bei uns wohnte und ihre Fuesse schlimmer wurden blieb sie fast immer im Hause, sie ging nur ein einziges Mal mit unsern Eltern ins Kino. Wir Kinder waren in jenem Sinne verwoehnt dass wir nie und nimmer alleine sein mussten und in die Wohnung eingeschlossen wurden wie viele andere. An jenem Abend wurden wir streng unterwiesen niemals die Tuer aufzuschliessen wer da auch laeuten oder klopfen moege und wir wurden sehr frueh zu Bett gebracht mit der Hoffnung dass wir sofort einschlafen wuerden. Das war fuer meinen Begriff etwa so als wollte man probieren mich durch ein Nadeloehr zu ziehen. Nie konnte ich frueh schlafen, schon als Kind nicht. Besonders an diesem Abend gelang es nicht und weil ich nervoes war von dieser Aenderung und als Monika schon schlief stand ich wieder auf und lief ins Elternschlafzimmer und guckte in meiner Langeweile zum Fenster hinaus und genoss die sinkende Abendsonne.

Die Freiheit auf zu sein ohne Schelten genoss ich solange ich konnte. Ich wusste aber ganz genau was sehr bald auf mich los kommen wuerde und ich flog schon bald wieder ins Bett bevor mein Nachtprinz mich finden konnte. Dieser Prinz wartete jede Nacht auf mich und hoffte schon fuer Ewigkeiten mich ohne die Eltern hier endlich zu erwischen. Wir tanzten zusammen immer denselben Reigen, der Prinz der Dunkelheit und ich. Wie naeher er zu mir heran kam wie weiter weg wollte ich von ihm sein und seine Leidenschaft fuer mich liess mich die ganze Nacht sogar mit dem Kopf unter der schweren Federdecke schmachten bis ich bald keine Luft mehr bekam. Was habe ich nicht getan jede Nacht um die Decke so zurecht zu formen dass wenigstens die allerkleinste Oeffnung mir noch Luft bringen konnte und jedes Mal wann ich mich umdrehte was oft war musste ich dieses Theater wieder von vorne anfangen. Wie ich mein Schwesterchen beneidete um ihren Schlaf obwohl sie mich auch fast abendlich fragte ob ich auf ihre Ohren aufpassen wolle sodass eine Hexe sie nicht hole waehrend sie schlief. Ich versprach ihr jeden Abend ja, ich wolle gut aufpassen und dann schlief sie sofort selig ein waehrend ich noch viele Stunden wach war. Diese Nacht blieb ich wach bis Frieda und die Eltern wieder zu Hause waren.

In jenem Wohnhaus informierten uns eines Tages unsere kinderlosen Vermieter einen Stock unter uns dass sie Wohnungen tauschen moechten sodass sie uns Kinder nicht den ganzen Tag hoeren mussten hin und herlaufen- und rennen. Unsere Eltern wollten nichts davon wissen da sie ueberhaupt schon ein paar Jahre hier wohnten bevor die neuen Vermieter einzogen. Auch hatten wir mehr Sonne auf dem obern Balkon und deshalb auch in der Wohnung und ueberhaupt, aus Prinzip alleine wollten sie nicht umziehen. Dass dies dann Misstimmungen erziehlte war klar. Der Frieden der letzten Jahre war gescheitert und der Stress wann die uns dazu zwingen konnten war nicht laenger auszuhalten. Die Saison aber wo Leute meistens umziehen war laengst vorbei in jenem Jahr und unsere Eltern fanden keine Wohnung schnell genug welche billig genug war und mussten dann mit einer vornehmen welche sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Eine wunderschoene Wohnung, nigelnagelneu mit zwei Balkonen von wo wir vom einen die Traumsicht unseres schoenen Bergs geniessen konnten. Dieser Berg war es dass Vater sich fuegte diese Wohnung anzunehmen obwohl er wusste sie war viel zu teuer. Mutter aber schwelgte darin zu wissen dass sie es wieder geschafft hatte fuer unsere Familie eine ganz neue Wohnung zu beziehen. Sie hasste den Geruch alter Wohnungen, sie konnte nie vergessen wo sie aufwuchs.

In der neuen Wohnung wohnten wir nicht sehr lange da unser lieber Vater nach einem Jahr nach einer schweren aber kurzen Krankheit starb. In jenem Jahr erhielten wir noch ein Bruederchen welcher sich sein Leben lang nie mehr an Vater erinnern konnte. Der Schock und die Trauer ueber Vaters Tod ueberwaeltigte uns alle, auch Frieda. Die teure Wohnung konnte sich Mutter nicht alleine leisten und wir zogen wieder um. Eine aeltere Wohnung diesmal welche Frieda und Mutter nicht gefiel da sie immer kalte Fuesse hatten darin. Wir Kinder merkten sowas nicht, wir waren zu jung und energisch in unserm Spielen.

Als es uns finanziell wieder etwas besser ging da zogen wir nochmals um und wir Maedchen hatten in ganz kurzer Zeit vier verschiedene Schulen besucht. Ein paar Jahre in der neunen und modernen Wohnung hoerte Mutter vom Roten Kreuz welches vermisste Leute finden konnte und sie gab Friedas entfuehrtem, aeltesten Sohns Namen an. Es ging ein paar Monate bis wir Bericht hatten dass er mit seiner Frau und ihren fuenf Kindern in Morokko lebte. Wie wir staunten. Uns wurde die Adresse gegeben und Briefkontakt begann. Frieda war im siebten Himmel und ihr Sohn wollte uns besuchen kommen.

Es war an einem Winterabend im Januar in einem Schneesturm dass er uns von unserer Stadt anrief und frug ob sie uns noch heute Abend besuchen koennten. Er haette sich ein Auto gemietet und fand uns nach einer halben Stunde ohne Problem. Zur Tuer herein kamen reihenweise er und seine morokkanische Frau und deren Kinder welche so ungefaehr im Alter von je einem Jahr dazwischen lagen. Das kleinste war bloss sieben Monate alt und wir waren schockiert dass seine nackten Fuesschen aus der Decke guckten wo wir doch Winter hatten.
Frieda und Sohn umklammerten sich um nie wieder ausander zu gehen schien es. Er kannte kaum noch ein Wort Schweizerdeutsch und seine Frau nur Franzoesisch. Das gab ein glueckliches Kauderwelsch und wir Maedchen nahmen uns der kleinen Kindern an. Sie blieben eine Woche in unserer Stadt und wir sahen sie jeden Tag. Frieda war traurig beim Abschied aber ihr Sohn machte sie gluecklich indem er ihr erzaehlte dass er Morokko hinter sich lassen wollte und in der franzoesischen Schweiz leben wolle, also nicht mehr ganz so weit weg. Und so kam es und um etwa diese Zeit heiratete Mutter wieder und zwar einen Berneroberlaendler.

Drei Jahre danach wurde ihnen ein Geschaeft in Kanada angeboten welches von Schweizern gefuehrt wurde. Briefe flogen hie und her und nach sechs Monaten kamen wir an in einem kleinen Dorf in Ontario. Frieda nahmen wir mit obwohl ihr Sohn ihr sein Heim anbot in der franzoesischen Schweiz aber sie kannte die Sprache nicht und war viel zu alt sie noch zu lernen. Die Energie nach noch fuenf kleinen Kindern zu gucken fehlte ihr jetzt auch schon, hatte sich doch uns schon seit Babies aufgezogen. Wir waren nicht mal ein Jahr in Ontario dass Frieda den traurigen Bericht erhielt vom Tode ihres geliebten Sohns. Auch an Krebs gestorben wie unser Vater. Das war das letzte was wir von jener Familie hoerten, ob seine Frau in der Schweiz blieb konnten wir nicht rausfinden, der Kontakt war komplett abgeschnitten.

Frieda Teil 3

Frieda hatte nun nur noch die Liebe ihres juengsten Soehnchens, ein zartes, blasses Buebchen. Die zwei waren ein Herz und eine Seele und wohnten zusammen bei Friedas Schwester und unserm Grossvater. Eines Tages wurde Friedas Augapfel schwer krank mit fuchtbaren Schmerzen und hohem Fieber. Er wurde ins Spital gebracht wo man einen geplatzten Blinddarm vorfand. Sein Bett wurde in einen Putzschrank gestellt da Frieda keine Versicherung hatte. Alles Jammern und Klagen Friedas ueber diese Ungerechtigkeit ein todkrankes Kind so zu behandeln fand niergends Ohren. Nach ein paar Tagen starb der Kleine in ihren Armen.

Vater hatte immer Angst dass er seine Familie nicht durchbringen konnte und eine extra Person zu fuettern machte dies fuer ihn noch schlimmer. Frieda wurde darueber selber aengstlich obwohl Vater nie ein unliebes Wort mit ihr wechselte. Aber sie wusste es, fuehlte seine Angst und tat daher etwas merkwuerdiges. Sie versteckte heimlich kleine Brotstuecke unter ihrem Kissen sodass wann sie hungrig war in der Nacht was zu knappern hatte. Diese Brotenden und immer waren es die Enden, wurden mal gefunden von Mutter und sie war boese auf Frieda und sagte sie brauche kein Brot zu stehlen denn sie koenne es zu jeder Zeit haben. Aber was Frieda tat war nur instinktiv. Alles was bei uns ihr Eigen war war ein zerknitterter Koffer und etwa zwei Kleider. Fast nie trug sie jene denn sie ging nie aus. Was sie taeglich trug war eine Art kurzaermlige Uniformschuerze mit einer gewoehnlichen Schuerze davor. Im Winter trug sie ein gestricktes Jaeckchen darueber und dicke Struempfe in ihren schaebigen, hohen Filzschuhen. Diese waren alt aber hatten Halt wie Schuhe doch waren sie weicher und schmerzten ihre Fuesse weniger. Ohne Schuhe zu gehen schmerzte Frieda noch mehr und die heimlichen Brotstuecke waren auch dazu bedacht dass sie nachts nicht aufstehen musste wenn sie Hunger kriegte.

Ob meine Schwester Monika nach Friedas Tochter genannt wurde ist unklar aber unsere eigene Monika wurde Friedas Augapfel. Das Kind schien in Friedas Leben fast alles nachzuholen was Frieda in ihrem Leben verloren hatte. Die zwei waren ein Herz und eine Seele und das Kind fand in dieser siebenundvierzig jaehrigen Frau eine selbstlose Liebe welche in unserer Mutter fehlte. Die zwei aber bauten eine Front durch welche ich nicht durchbrechen konnte. Nachdem ich fuer drei und einhalb Jahre Friedas Liebling war und dann von einem Tag auf den andern beiseite geschoben wurde wie ein alter Schuh nun, das war fuer mich nicht leicht. Ich aergerte mich und Frieda aergerte sich ob meinem Aerger. Wir beide mochten uns nicht mehr. Es besserte nicht und wenn ich so oft hinter geschlossenen Tueren zuhoeren musste wie sie ihrem Liebling Suessigkeiten zuschob und das Kind warnte „der Grossen“ nichts davon zu erzaehlen dann vergroesserte dies meinen Groll umsomehr. Der Name „die Grosse“ blieb mir solange Mutter und Vater noch nicht zu Hause waren. Trotz all dem war es leichter um Frieda rum zu sein denn sie liess uns Maedchen Kinder sein, nicht Roboten welche von Mutter gesehen doch nicht gehoert werden durften.

Es gab Zeiten wo Frieda wegen gewissen Streitigkeiten mit meinen Eltern zu andern Familien ueberging um dort zu wohnen und arbeiten obwohl nie sehr lange und nicht sehr oft. Dann aber musste unsere Mutter zu Hause bleiben bis sie neue Hilfe fand. Eine dieser Frauen entpuppte sich als eine junge Frau mit lesbischen Anlagen. Auch war sie etwas beduselt, man merkte ihr schon von weitem an dass da nicht alles stimmte. Sie kam gerade genesen von einem Tuberkulosenheim in unsere Familie und war die juengere Schwester Mutters Freundin. Eines Tages hoerte ich die zwei oder drei-jaehrige Monika wie am Spiess kreischen. Ich rannte ins Wohnzimmer und fand die Hilde auf dem kleinen Kind liegen und sich keuchend auf dessen kleinem Koerper zu waelzen. Dieses mir merkwuerdige Getue machte mir Angst und ich versuchte mit aller Kraft sie an den Beinen von Monika wegzuziehen und schrie dass sie aufstehen solle was dann endlich half. Als ich diesen Vorgang am Abend unsern Eltern erzaehlte wurde Hilde sofort entlassen und sie lief laut heulend aus unserer Wohnung.

Niemand wusste wo Frieda war und dann, eines Tages als ich vor dem Gebaeude spielte hoerte ich ueber mir dieses sich wiederholende „pssssssst…….“. Ich schaute auf und dort oben im vierten Stock hing Frieda halb aus dem Fenster und winkte mir froehlich zu um dann sofort ihren Finger an die Lippen zu halten um meinen Freudejubel zu daempfen. Sie war schon ein paar Wochen fort gewesen und niemand von uns hatte den geringsten Verdacht dass sie bei unserer naechsten Nachbarin wohnte also nur hinter der Wohnungstuer gegenueber unserer. Ich fluesterte zu ihr hinauf ob ich es den Eltern sagen duerfe und sie laechelte bejahend. Ich flog nur so die Treppen hinauf um diese Neuigkeiten an den Mann zu bringen. Noch am gleichen Abend sprachen Frieda und unsere Eltern miteinander und holten sie sogleich mit all ihren Habseligkeiten wieder zu uns rueber. Der Friede war wieder hergestellt und Frieda jammerte wie die Nachbarsfrau ihre zwei Buben verwoehne und weder Butter noch Kaese auf ihren Teigwaren dulde. Ah Friedali, wie Du Dein Essen liebtest. Es war klar dass weder die Nachbarin noch unsere Mutter je wieder ein Wort miteinander sprachen nach der Frieda Geschichte.